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15.03.2018

Interprofessionell lernen, auf Augenhöhe arbeiten

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Der Patient steht im Mittelpunkt

Der Patient steht im Mittelpunkt – damit dieser Leitsatz in Krankenhäusern, Therapie- und
Arztpraxen Realität werden kann, müssen Mediziner mit Pflegenden und Therapeuten auf
Augenhöhe zusammenarbeiten. Unter anderem in Berlin werden Studierende der Medizin
sowie der Pflege- und Therapiefächer in interprofessionellen Lehrveranstaltungen gemeinsam
darauf vorbereitet.

Ein Comic beschreibt treffend, wo es hakt: Arzt, Physiotherapeutin und Krankenpfleger reden miteinander über einen Patienten. Doch die Sprechblase des einen zeigt nur Dreiecke, die der anderen ist mit Quadraten gefüllt und der Dritte redet Kreise. Die Kommunikation läuft nicht rund. Wenn beispielsweise Mediziner von "Symptomen"sprechen, geht es meist um rein diagnostische Aspekte. Sprechen Krankenpfleger oder auch Therapeuten davon, gebrauchen sie den Begriff häufig auch in einem existenziell-sozialen Zusammenhang."Oft fehlt es an Wissen über die Tätigkeit des anderen undsomit auch an Wertschätzung für dessen Fähigkeiten und Funktionen in der Patientenversorgung.

Hinzu kommendie traditionellen Hierarchien zwischen Medizinern und pflegendem Personal, die in vielen Krankenhäusern nachwie vor stark ausgeprägt sind", sagt Henrike Horneff. Die 26-Jährige steht kurz vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums in Krankenpflege an der EvangelischenHochschule Berlin - und hat während ihrer praktischen Ausbildungsphasen im Krankenhaus das Beschriebeneselbst erlebt. Horneff trägt als Tutorin in dem Berliner Projekt INTERTUT dazu bei, diese Situation peu à peu zu verändern, damit angehende Mediziner, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Krankenpfleger in Krankenhäusern oder auch im Dialog zwischen Therapeut und Hausarzt in der Patientenversorgung besser interprofessionell zusammenarbeiten. Teilnehmer aus allen genannten Fächern werden dafür im fächergemischten Tutorium mit klassischen Situationen der jeweils anderen Berufe konfrontiert. Die Charité - Universitätsmedizin Berlin hat vor vier Jahren im Schulterschluss mit der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Evangelischen Hochschule Berlin mehrere Projekte für praxisorientiertes, interprofessionelles Lernen im Studium gestartet: Neben den Tutorien in INTERTUT wurden in INTER-M-E-P-P ("Interprofessionelles Lernen und Lehren in Medizin, Ergotherapie, Physiotherapie und Pflege") Lehrveranstaltungen entwickelt und erprobt. Das Ziel, sie langfristig fest ins Curriculum zuintegrieren, ist inzwischen erreicht, sie gehören mittlerweilezur regulären Lehre. Begleitend sind auch Arbeitsmaterialien für die Tutoren und Studierenden entwickelt worden. Bislang findet pro Semester ein interprofessionelles Seminarzu dem Thema "Grundlagen des Umgangs mit bewegungseingeschränkten Menschen" statt - einmal mit der Kombination Medizin und Pflege, einmal mit Medizin und Physio-/Ergotherapie. Langfristig soll es mehr von solchen Lehrveranstaltungen geben. Die Hochschulen kommenmit den beiden Projekten einer Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 nach, der genau diese Verzahnung der Medizin mit anderen Gesundheitsberufenals Teil einer praxisorientierten Hochschulausbildung fürwünschenswert hält. "Die Tutorien und Lehrveranstaltungen sind wichtig, damitdie Studierenden der verschiedenen Gesundheitsberufe bereits während des Studiums miteinander in Kontakt kommen, um von-, mit- und übereinander zu lernen. In den Veranstaltungen soll ein Austausch auf Augenhöhe angebahnt werden, um den Grundstein für einegleichberechtigte, wertschätzende und kommunikative Zusammenarbeit zu legen", erläutert Prof. Dr. Cornelia Heinze von der Evangelischen Hochschule Berlin, die dort Ansprechpartnerin für beide Projekte ist. Die jetzigen und nachfolgenden Studierendengenerationen sollen genau diesen Aspekt mit in ihren Berufseinstieg mitnehmen und somit eine neue Berufskultur etablieren helfen. Beispiel Tutorien: Die angehenden Mediziner und Therapeutenlernen in sechs Tutorien im Charité-Lernzentrumbeispielsweise, wie Palliativpatienten oder Patienten mit schweren Spastiken zu versorgen sind, wie man konfliktfreimiteinander kommuniziert oder wie man Patientenschlechte Nachrichten überbringt. Jedes Tutorium wird vonzwei Studierenden höherer Semester im Tandem abgehalten,die jeweils verschiedene Fächer studieren. Dass die Teilnehmer diese praktische Vorbereitung auf die Arbeitsweltsehr schätzen, bestätigt der Ergotherapiestudent Fabian Stenzinger. Er hat bereits eine Ausbildungzum Ergotherapeuten absolviert und möchte sich mitdem Studium nun berufsbegleitend auch akademisch qualifizieren: "In meinem Berufsalltag habe ich viel zuwenig Kontakt mit den behandelnden Ärzten - von denenwir oft als Zuarbeiter und weniger als Partner in derPatientenversorgung wahrgenommen werden. Ich erhoffe mir von den Tutorien deshalb auch mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein für die künftige Kommunikation."Zugleich findet Fabian Stenzinger es wichtig, die Denk und Arbeitsweise der jeweils anderen Berufe zu erleben. "Oft fehlt es an Wissen über die Tätigkeit des anderen und somit auch an Wertschätzungfür dessen Fähigkeiten und Funktionen in der Patientenversorgung."Über die inhaltliche Stoßrichtung ihres zunächst von der Robert Bosch Stiftung, zukünftig mit Mitteln der beteiligten Hochschulen finanzierten Projekts seien sich alle drei Partner sehr schnell einig gewesen und hätten jeweils viele gute Ideen beigesteuert, sagt Prof. Dr. Harm Peters, Projektleiter auf Charité-Seite. Dennoch gibt es Herausforderungen:"Die Projektevaluation zeigt, dass interprofessionelle Präsenzlehre erfolgreich institutionenübergreifendangeboten und durchgeführt werden kann. Allerdings ist Handreichung: Interprofessionelles Lehrenund Lernen in hochschulisch qualifizierenden Gesundheitsfachberufen und der Medizin.

Das interprofessionelle Lehren und Lernen stehtauch im Fokus des Runden Tisches Medizin und Gesundheitswissenschaften. Aus den regelmäßigen Expertentreffen ist eine Handreichung mit Anregungen und zahlreichen gelungenen Praxisbeispielen entstanden: Es geht darin um die Chancen und Herausforderungen des interprofessionellen Lehrens und Lernens von der Studieneingangsphase bis zum Übergang inden Arbeitsmarkt. Der Runde Tisch Medizin und Gesundheitswissenschaften spricht sich dabei auseiner didaktischen Perspektive für die Einführungeines interprofessionellen Gesamtkonzepts aus. Dieses kann bereits am Studieneingang beginnen und sich als longitudinaler Strang in unterschiedlicher Intensität durch das gesamte Studium ziehen.

Kompetenzerwerb durch Praxisbezüge

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Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Spies

Klinikdirektorin am Campus Charité Mitte & Campus Virchow - KlinikumCharitéUniversitätsmedizin Berlin
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Postadresse:Augustenburger Platz 113353 Berlin

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