Qualitätsmanagement und Standard Operating Procedures

Qualitätsmanagement zählt zu den wichtigsten Aufgaben unseres Fachgebietes als Dienstleistungseinrichtung im Gesundheitssystem. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der Verantwortung für die meist größten Anteile an Personal- und Sachkosten eines Krankenhauses und der täglichen Arbeit in einem zentralen Schnittstellenbereich (OP und Intensivmedizin) mit anderen medizinischen Disziplinen zu sehen.

Gute Qualität allerdings ist ein schwer messbares und fassbares Konstrukt. Der Gesetzgeber fordert ein internes Qualitätsmanagement, das den spezifischen und sensiblen Aspekten und Besonderheiten im Gesundheitswesen ausreichend gerecht wird (Nach SGB V § 135a). Wir haben die Arbeit in unserer Klinik systematisch aufgebaut, dokumentiert und verwirklicht. Diese Systematik wird in ihrer Wirksamkeit permanent überprüft, um uns in unserer Arbeit ständig zu verbessern. Erforderliche Prozesse, ihre Abläufe und ihre Anwendung wurden in der gesamten Klinik definiert. Es wurden Kriterien und Methoden festgelegt, um das wirksame Lenken und Durchführen sicherzustellen. Die Verfügbarkeit von Ressourcen und Informationen wurde sichergestellt. Sämtliche relevante Prozesse werden überwacht, gemessen und analysiert, damit erforderliche Maßnahmen ergriffen werden, die weiter zu einer ständigen Verbesserung führen. Die Dokumentation der Qualitätspolitik und deren Ziele - festgelegt in einem Handbuch- geben vor, wie wir mit elementaren Verfahren dokumentiert umgehen (Lenkung von Dokumenten, Lenkung von Qualitätsaufzeichnungen, Interne Audits, Lenkung fehlerhalter Produkte/Dienstleistungen, Korrekturmaßnahmen, Vorbeugemaßnahmen). In regelmäßigen Abständen erfolgen Patienten- und Mitarbeiterbefragungen, die unsere Innenleistung und Außenleistung kritisch prüfen.

Beispiel Anästhesiologie

Nach operativen Eingriffen werden Patienten von uns in mehreren Aufwachräumen versorgt, bevor sie auf die Normalpflegestation zurückgebracht werden. Wesentliche Aufgaben bestehen hier in einer optimalen postoperativen Schmerzbehandlung und einem möglichst seltenen Auftreten von Übelkeit und Erbrechen.

Die von unseren Patienten angegebene mediane Schmerzzahl bei Entlassung aus dem Aufwachraum (gemessen auf einer numerischen Intensitätsskala von 0 bis 10) liegt bei Null. Damit ist belegt, dass der überwiegende Teil unserer Patienten überhaupt keine Schmerzen hat, wenn wir sie postoperativ in die Hände der Weiterbehandelnden geben. Dank modernster individualisierter Methoden der Schmerzbekämpfung (vor allem unter Verwendung regionalanästhesiologischer Techniken) gelingt es uns, dass nur etwa 1,5% aller Patienten eine Schmerzzahl von >3 (auf einer Skala von 0-10) aufweisen. Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden und dürfen nicht aufhören, daran weiterzuarbeiten. Nach aktuellen Richtlinien der maßgeblichen Fachgesellschaften ist eine Schmerzzahl > 5 als behandlungsbedürftig, eine Schmerzzahl von 4 als tolerabel und eine Zahl < 3 als nicht interventionsbedürftig anzusehen.

Nach Operationen kann in etwa 30% aller Fälle mit Übelkeit und Erbrechen gerechnet werden. Bei unseren Patienten haben wir im Aufwachraum eine monatlich ausgewiesene Häufigkeit von etwa 3%. Auch mit diesem Ergebnis können wir dank modernster Anästhesieverfahren zufrieden sein und müssen diesen hohen Qualitätsstandard aufrechterhalten.

Nach oben

Beispiel Intensivstation

Schwerst kranke Menschen werden auf unseren Intensivstationen behandelt. Wir messen eine sehr hohe Zahl an Parametern, die den Krankheitszustand individuell beschreiben können. Aus diesen Parametern können Risikoscores berechnet werden, die die pathophysiologischen Veränderungen, die Zahl der Organfunktionseinschränkungen udn den Behandlungsaufwand erfassen.

Nach oben

Beispiel Standard Operating Procedures (SOPs)

Gute Qualität in der Versorung ist nur gewährleistet, wenn die Behandlungen unserer Patienten nachvollziehbar niedergelegt ist. Bereits 1999 haben wir daher damit begonnen schrittweise standardisierte Prozeduren und Vorgehensweisen für medizinische Behandlungen und Abläufe einzuführen. Diese Standardprozeduren (SOP) wurden schriftlich dokumentiert. Damit haben wir uns ein Regelwerk geschaffen, wie wir in unserer Klinik Leistung erbringen, und das in allen Bereichen. Es umfasst die präoperative Vorbereitung, die Anästhesieführung und die postoperative Nachbetreuung; es betrifft die Behandlung auf den Intensivstationen genauso wie in der Rettungsstelle oder auf dem Notarztwagen sowie in der Schmerztherapie. Der Formulierung solcher SOP dient das Wissen um eine „Evidence Based Medicine“. Aber nur für wenige praktische Fragestellungen existieren gesicherte Therapieoptionen. Die Erfahrung mit definierten Standards sind in Deutschland eher begrenzt. Die „Entschließungen, Empfehlungen, Vereinbarungen – Leitlinien“ unserer Fachgesellschaften DGAI und BDA sind eine weitere Grundlage für die Entwicklung von SOP in einer Klinik. Wichtig ist es, einen gemeinsamen Konsens zu finden entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand der Medizin unter Berücksichtigung der Fachgesellschaften und lokaler Gegebenheiten. Dabei sind Standardverfahren entsprechend der Entwicklung der Medizin, der Medizintechnik und der Gesellschaft ständig zu überprüfen und fortzuentwickeln. Wir haben dazu das Vorgehen in unserer Klinik analysiert, diskutiert und revidiert mit dem Ergebnis schriftlich fixierter SOP, die für alle Kolleginnen und Kollegen verbindlich sind. SOP führen zu einer Vereinheitlichung medizinischer und organisatorischer Abläufe, was neben der Erleichterung der Arbeit zu einer Kostenkalkulation mit konsekutiver Kostenreduktion beitragen wird. Besonders im Hinblick auf die Einführung des DRG-Systems kann der Anteil der anästhesiologischen und intensivmedizinischen Leistung an einem Fall exakt abgebildet werden. Das Manuskript „Standards in der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie, Notfallmedizin“ ist im Springer Verlag 2003 in Buchform erschienen und in dieser Form das erste Standartwerk auf dem deutschen Markt. Im Jahr 2005 ist die zweite Version als DGAI/DBA Projekt erschienen, seit 2008 existiert mit dem AIS (Anästhesiologisches InformationSsystem) auch eine online Version.

Mit den SOP war der Grundstein gelegt einer unabhängigen Begutachtung unserer Qualitätsansprüche nachweisbar standzuhalten. Seit September 2003 ist unsere Klinik am Campus Charité Mitte nach DIN ISO 9001:2000 mit Stolz zertifiziert, seit November 2006 ist die fusionierte Klinik an den Standorten Charité Campus Virchow Klinikum und Campus Charité Mitte zertifiziert.  

Nach oben